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Innenminister Heribert Rech: 
Amtswechsel bei der Landespolizeidirektion Stuttgart 

21.10.2010 
Innenminister Heribert Rech: „Konrad Jelden hat die Landespolizeidirektion engagiert geleitet, Christian Nill wird diese erfolgreiche Arbeit fortsetzen“

 PDF-Dokument hier:

„Es sind weder Amt noch Macht, die eine Ära prägen und in Erinnerung bleiben, es sind immer die Menschen selbst. Konrad Jelden war ein Präsident zum Anfassen.“ Das sagte Innenminister Heribert Rech bei der Verabschiedung des Polizeipräsidenten der Landespolizeidirektion Stuttgart und der Amtseinführung seines Nachfolgers, Leitender Polizeidirektor Christian Nill, am Donnerstag, 21. Oktober 2010, in Ludwigsburg. Jelden habe die Landespolizeidirektion engagiert geleitet und aktiv mitgestaltet. Er sei der festen Überzeugung, dass Nill diese erfolgreiche Arbeit fortsetzen werde.

Konrad Jelden sei am 3. Oktober 1945 in Vaihingen an der Enz als ältestes von sechs Geschwistern geboren worden. Als Sohn eines Rechtsanwalts habe er in der Hochphase der 68-er Studentenbewegung Rechtswissenschaften in Tübingen, München und Heidelberg studiert. Danach habe seine Laufbahn dort begonnen, wo sie nun ende, beim Regierungspräsidium Stuttgart. Eine weitere wichtige Station sei das Landratsamt im Rems-Murr-Kreis gewesen, wohin er Ende der achtziger Jahre nochmals als Erster Landesbeamter zurückgekehrt sei. Nach einem Zwischenspiel beim Landeskriminalamt und beim Innenministerium - Referat Recht und Grundsatz - sei er bei der Landespolizeidirektion Stuttgart stellvertreten- der Leiter des Referates Öffentliche Sicherheit und Stellvertreter des Leiters der Landespolizeidirektion geworden.

Als Mitinitiator des landesweit bekannten Präventionsvereins „Initiative Sicherer Landkreis“ im Rems-Murr-Kreis habe er bereits 1996 die Kommunale Kriminalprävention gefördert. Dies sei der erste Verein dieser Art in Baden-Württemberg und Vorbild für weitere gewesen. Ein trauriger Anlass, die Ermordung der sechsjährigen Alexandra Sophia in Filderstadt, habe ihn zum Gründungsmitglied der Initiative „Kelly Insel“ im Landkreis Esslingen gemacht. „Durch Anlaufstellen sollen Kinder im Alltag geschützt werden. Ehrenhafter als der Schutz von Kindern kann Engagement nicht sein“, sagte Innenminister Rech.

Die Liste der Initiativen sei lang und reiche vom „Bikertag“ am Ebnisee bis zur gemeinsamen Aktion „Mit Spiel und Spaß gegen Drogen und Gewalt“ der Polizei und des VfB Stuttgart. Bei allem, was Jelden angepackt habe, sei immer zu spüren, dass er als Mensch ganz und gar dahinter stehe. In so einer langen Zeit bleibe es nicht aus, dass man immer wieder auch mit schwereren Zeiten und belastenden Ereignissen konfrontiert werde. Seien es Castortransporte, der genannte Mord an Alexandra Sophia und der Mord an dem elfjährigen Tobias in Weil im Schönbuch, beide im Oktober 2000, die Ermordung der jungen Kollegin Michéle Kiesewetter im April 2007 in Heilbronn oder der entsetzliche Amoklauf in Winnenden und Wendlingen im März 2009. Diesem seien in nur kurzen Zeitabständen der Familienmord in Eislingen und der Mordfall Bögerl in Heidenheim gefolgt. „Das sind nicht nur Ereignisse, das sind Schicksale, die auch an einem Präsidenten nicht spurlos vorbeigehen“, betonte Rech.

Nill werde in ein bestelltes Haus einziehen. Die Landespolizeidirektion Stuttgart sei mit Ausnahme der Landeshauptstadt für den Regierungsbezirk Stuttgart zuständig, von Wertheim bis Böblingen und von Geislingen bis kurz vor Pforzheim und mit einer Fläche von rund 10.500 Quadratkilometer. Dazu komme die hohe Verantwortung für die Sicherheit von 3,4 Millionen Menschen und elf Polizeidirektionen mit 6.610 Mitarbeitern.

Damit verbunden seien viele persönliche und polizeiliche Herausforderungen. „Ich berichte Ihnen nichts Neues, wenn ich sage, dass die Polizei Baden-Württemberg derzeit vor eine Vielzahl von Herausforderungen gestellt ist“, sagte Rech.

Daher wolle er nur Stichworte nennen: Der hohe Personal- und Zeitaufwand zur Überwachung gefährlicher haftentlassener Sexualstraftäter und die Einsätze wegen der Stuttgart 21-Proteste, rasante Anstiege der Internetkriminalität und Kinderpornografie. Aktuell trete auch wieder die hohe Anschlagsgefahr durch den islamistischen Terrorismus deutlich hervor. Für die Staatsschützer sei das eine heikle und schwere Aufgabe, die bislang aber sehr gut gelungen sei. Das fordere einen immens hohen Aufwand, wie das Beispiel der Sauerlandgruppe zeige.

Wenn von belastenden Ereignissen gesprochen werde, könne nicht unerwähnt bleiben, dass der Polizeieinsatz am 30. September 2010 Politik und Polizei ungemein beschäftigten. Die Eskalation und das Ausmaß seien weder gewollt, noch geplant gewesen. „Wir alle wollen nicht, dass sich diese Bilder in Baden-Württemberg wiederholen. Wichtig ist mir, in diesem Zusammenhang ganz deutlich zu sagen, dass ich großen Respekt vor allen Polizeibeamtinnen und -beamten habe, die seit Wochen wegen des Bahnprojekts Stuttgart - Ulm rund um die Uhr am Bahnhof und im Park ihren Dienst leisten. Ich stehe uneingeschränkt zur Polizei“, sagte Rech. Es wäre gut, wenn dies alle tun würden. „Öffentliche Ferndiagnosen verbieten sich und nützen niemanden“, betonte der Innenminister. Christian Nill sei am 1. März 1978 bei der Bereitschaftspolizei Biberach in den Polizeidienst des Landes eingetreten. Dies sei der Beginn einer Erfolgsgeschichte:

Er habe es vom Polizeiwachtmeister zum Leitenden Polizeidirektor gebracht. Als Gruppenführer bei der Bereitschaftspolizei Biberach oder im Streifendienst beim Polizeirevier Tübingen habe er viele Facetten des Dienstalltags kennengelernt. Bereits 1984 sei ihm der Aufstieg in den gehobenen Dienst gelungen. Als Kommissar sei er dann Leiter des Fernmeldebetriebsdienst „Uhland“ bei der Landespolizeidirektion Tübingen gewesen. „Hätten Sie damals gedacht, welch moderne Technik Jahre später eingeführt werden könnte? Oder gar, dass Sie es sein werden, der den Digitalfunk landesweit einführt?“, fragte Rech.

Seine Vorgesetzten hätten erkannt, dass sein Talent weiter gefördert werden müsse. So sei 1993 der Aufstieg in den höheren Dienst gefolgt. Sein Können habe er danach in Theorie und Praxis bewiesen, zunächst als Dozent für Einsatz- und Führungswissenschaften an der Hochschule für Polizei und dann als Leiter des Führungs- und Einsatzstabes der Polizeidirektion Ulm. Herausforderung und Erfahrung seien sicherlich auch die folgenden vier Jahre im Innenministerium gewesen. Sein Engagement habe Anerkennung gefunden, als Nill 2004 zum Leiter der Polizeidirektion Ulm ernannt worden sei. Wie so oft habe allerdings die Herausforderung gelockt, so dass er drei Jahre später wieder dem Ruf des Ministeriums gefolgt sei und die Gesamtverantwortung für das Projekt „BOS Digitalfunk Baden-Württemberg“ übernommen habe.

Rech: „Der Digitalfunk ist mit Ihrem Namen verbunden. Ein gigantisches Projekt für die Zukunft der Polizei. Und eine große Verantwortung, die Sie mit Know-how und Verve gemeistert haben.“ Im gesamten Bundesgebiet werde der neue Digitalfunk für Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste aufgebaut. Alle beteiligten Behörden und Organisationen seien Teil der Projektorganisation und müssten koordiniert werden. Nills Aufgabe sei nicht nur der rein technische und organisatorische flächendeckende Aufbau eines Digitalfunknetzes in Baden-Württemberg gewesen, zusammen mit seinem Team habe er auch viel Informations- und Überzeugungsarbeit vor Ort leisten müssen. Von 635 Funkstandorten verfügten bereits rund 380 über die neue Funktechnik, und circa 120 Standorte seien in den Regierungsbezirken Stuttgart und Tübingen bereits „am Netz“. Gleichzeitig seien schon mehr als 7.100 Funkgeräte an die Polizeidienststellen ausgeliefert worden. Auch die Umrüstung des Fuhrparks laufe. „Im Raum Stuttgart, Esslingen, Ludwigsburg, Waiblingen und Böblingen ist der Digitalfunk bereits in Betrieb. Die restlichen Aufbauarbeiten sollen bis Ende 2011 abgeschlossen sein“, sagte Rech.

„Wir haben Sie im Innenministerium in all den Jahren als verlässlich und diszipliniert, vor allem aber als einen fröhlichen Menschen kennen und schätzen gelernt. Ich wünsche Ihnen für das neue Amt, dass Sie die Menschen allzeit mit Ihrem guten Ton erreichen und es Ihnen gelingt, die Herausforderungen unserer Zeit erfolgreich zu meistern“, sagte Innenminister Rech. 

Wer wie Konrad Jelden Menschen gewonnen habe, gehe nie ganz, sondern bleibe in deren Erinnerung und Erzählung. Er werde der Polizei fehlen. Das Wort „Ruhestand“ treffe bei ihm gewiss nicht zu, deshalb wünsche er ihm für die „neue Lebensphase“ alles Gute. „Sie verstehen wahrhaft die hohe Kunst, das Leben in seiner ganzen Vielfalt zu leben. Daher bin ich unbesorgt. Sie werden neue Berufungen, Erfüllung und Glück finden“, betonte der Innenminister.