Die Proteste in der Landeshauptstadt gegen den Bau des Schienenprojektes
Stuttgart 21 binden bei der Polizei erhebliche Kräfte. Seit der ersten
Montagsdemonstration im Oktober 2009 bis Ende 2010 leisteten die
Beamten dort 422.000 Einsatzstunden, hat Innenminister Reinhold Gall
heute in Stuttgart berichtet. Die Kosten dafür werden auf 18,7 Millionen
Euro veranschlagt. In diesem Jahr sind weitere 115.000 Stunden mit Kosten
von gut fünf Millionen Euro angefallen, die Baumverpflanzung im Februar
beanspruchte fast ein Drittel davon.
Der Innenminister betonte, dass die Sicherheitskräfte ihre Strategie der
Deeskalation auch weiterhin verfolgten. Er beklagte aber zugleich, dass
die Beamten einer hohen psychischen Belastung ausgesetzt seien. Denn
eine wachsende Zahl von Demonstranten konfrontiere sie nicht nur mit
Hasstiraden. Die Bürger in Uniform würden auch bespuckt, herumgeschubst
oder gar geschlagen. "Das kann nicht geduldet werden", hob Gall
hervor. Die Polizisten, die sonst vermisste Kinder ihren Eltern zurückbringen,
Prävention betreiben und im Alltag unsere Sicherheit gewährleisten,
hätten Achtung und Respekt verdient. Sie dürften nicht Prellbock werden,
an dem man Wut und Ohnmacht nach Lust und Laune ausleben könne.